Die figürlichen Sänften und Särge der Ga im Süden Ghanas.
Geschichte, Transformation und Sinn einer künstlerischen Ausdrucksform von den Anfängen bis in die Gegenwart (2013)

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Figürliche Sänften gezeichnet vom Künstler Ataa Oko

Zusammenfassung und Forschungsresultate der Dissertation


Ausgangslage
Die figürlichen Särge der Ga fanden seit der Ausstellung «Les Magiciens de la terre» in Paris 1989 weltweit als Kunstwerke grosse Beachtung. Ihre Erfindung wurde seither allgemein dem Sargschreiner Kane Kwei (1925-1992) aus Teshie zugeschrieben. Die Dissertation von Regula Tschumi hinterfragt nun die in der Kunstwelt etablierten Entstehungsmythen und Deutungen der figürlichen Särge und geht erstmals auch den im Westen kaum bekannten figürlichen Sänften nach, die bis anhin als die nicht mehr existierende Vorläufer der figürlichen Särge galten.

Methoden
Die Dissertation basiert auf fünf Jahren Feldforschung, die von 2004 bis 2012 in mehreren Etappen in der Region Greater Accra durchgeführt wurden. Um mehr zu den Sänften und Särgen zu erfahren, hat Regula Tschumi die Kultur der Ga, ihre Religion, ihre künstlerischen Ausdrucksformen, ihre Geschichte und ihre Beerdigungen erforscht. Sänften und Särge wurden also im Kontext der Lebenswelt betrachtet, aus der sie sich entwickelt haben und in der sie benutzt wurden/werden. Erst mit diesem breiten interdisziplinären Ansatz konnten die Zusammenhänge zwischen den figürlichen Sänften und Särgen aufgedeckt und der Sinn dieser künstlerischen Ausdrucksformen verstanden werden.

Resultate
Die figürlichen Särge wurden bei den Ga schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang der grossen Chief-Beerdigungen benutzt, sie sind nicht die Erfindung eines autonomen Künstlers in den 1960er Jahren. Da Initiationen und Beerdigungen, wie Regula Tschumi zeigt, bei den Ga komplementär sind, musste jeder Chief, der bei der Initiation in einer figürlichen Sänfte sass, auch in einer solchen begraben werden. Aber anders als bis anhin angenommen durfte man dafür nicht seine einstige Sänfte benutzen, sondern nur deren Kopie. Die Sänfte blieb dann nach dem Tod ihres Benutzers im Besitz der Familie und transformierte sich zu einem Heiligtum. Die ersten figürlichen Särge hatten sich also nicht aus den Sänften entwickelt oder diese ersetzt, wie bis anhin angenommen wurde, sondern sie waren deren Kopien. Erst in den 1960 begannen sich die figürlichen Särge auch unter Christen zu verbreiten. Damals gingen Sargschreiner wie Kane Kwei (1925-1992) oder Ataa Oko (1919-2012) dazu über, auch für «gewöhnliche» Ga figürliche Särge herzustellen, die in ihrer Figürlichkeit nun neu mit dem Beruf des Verstorbenen und nicht wie vorher mit dem Familienemblem oder Totem verbunden waren.

Fotos (unten links und Mitte): Hai-Sänfte (2006 / 2003). Rechts: Adler-Sänfte um 1962
(©Fotoarchiv Regula Tschumi)

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Regula Tschumi war vom September 2007 bis August 2013 Doktorandin in Ethnologie an der Universität
Basel. Ihre Dissertation mit dem Titel
«Die figürlichen Sänften und Särge der Ga im Süden Ghanas. Geschichte, Transformation und Sinn einer künstlerischen Ausdrucksform von den Anfängen bis in die Gegenwart» wurde im November 2013 publiziert.